Vorlesestunde im Wohnzimmer

Nordpuls-Veranstalter und Verleger Gerhard Fiedler lud zu einer Lesung in seine privaten Räume. Der Vorleser: Jan Christophersen mit seinem Roman „Echo“.

Vorlesen und Vorgelesen-Bekommen ist etwas sehr Intimes, besonders dann, wenn ein Autor selbst Einblick in seine Geschichte gewährt. Ob der Text einem dann wirklich nahe kommt, fällt und steht jedoch auch immer mit dem Ort. Eine Turnhalle ist eher ungeeignet, ein privates Wohnzimmer nahezu perfekt für eine Lesung.

So lud Nordpuls-Veranstalter Gerhard Fiedler diese Woche in seine privaten Räume, nicht etwa, um selbst zu lesen, sondern um dem Schriftsteller Jan Christophersen eine Plattform zu geben.

Die Souterrain-Wohnung in unmittelbarer Hafennähe empfing die Gäste zu der Veranstaltung, die auch Programmpunkt der Literatur-Altonale war, abgedunkelt wie eine heimelige Höhle. Auf einem großen Tisch wurde ein Buffet aufgebaut, das sich aus mitgebrachten Snacks und Getränken zusammensetzte. Und im Wohnzimmer gab es eine richtige Lesebühne: Vor sehr vielen Stühlen in allen möglichen Formen und Farben – laut Angaben des Gastgebers alle aus dem eigenen Haushalt – saß der Autor Jan Christophersen auf einem kleinen Podest im schummrigen Licht einer Stehlampe. Überall um ihn herum Spuren des alltäglichen Lebens: Regale mit anderen Büchern, Stapel mit DVDs, aus der Küche duftete es nach selbstgekochtem Curry... Wenn man sich da nicht gleich wie zu Hause fühlt!

© Mathias Bothor

Die Gäste jedenfalls machten es sich schnell gemütlich. Still und entspannt lauschten sie der sanften Stimme von Jan Christophersen, der aus seinem neuen Roman „Echo“ vorlas. Die Geschichte handelt von einem Mann und einer Frau, die sich viele Jahre, beinahe ein Leben lang, begleiten, ohne wirklich zusammenzufinden. Der in Flensburg geborene Schriftsteller begann seine Lesung mit einer Buchpassage, die erzählt, wie die Freundschaft zwischen Gesa und Tom entstand. Nicht auf eine dramatische, laute Weise, sondern still, sanft und langsam. Es ist eine Kunst, so wie Jan Christophersen über etwas schreiben zu können, das so subtil ist, dass man meinen könnte, es stünde jenseits von Worten. Er beschert dem Zuhörer einen Text, der aufregend, berührend und sehr intim ist. Wenn Gesa eine Düne hinunter rennt, dabei den Sand unter ihren Füßen spürt, das Meer glitzern sieht, Tom sie dabei fotografiert und sie anschließend in den Himmel blickt, hat man das Gefühl, dabei zu sein, allein mit den beiden. Aber da sind auch noch der Autor und gut 30 andere, gebannte Zuhörer.

Spätestens am Ende der Lesung wurde das wieder ins Gedächtnis gerufen, denn dann wurden interessierte Fragen gestellt und die fielen der privaten Situation entsprechend auch mutiger und persönlicher aus, als bei gewöhnlichen Lese-Events: „Wie können Sie eigentlich von ihrem Schreiben leben?“, fragte etwa eine neugierige Zuhörerin. Jan Christophersen kann das ganz gut. Er schreibt eben auch ziemlich gute Bücher.