Grüner Sonntag in Schwarzweiß

Eine Film-Matinee am Sonntag zeigte Hamburger Parks aus historischer Sicht

Momentan sind Hamburgs Parks so etwas Ähnliches wie Wohnzimmer unter freiem Himmel. Obwohl sich die Besucher Bänke, Wiese, Sonne, Schatten und den Ausblick auf Weiher, Bäume und Blumenpracht mit so vielen Fremden teilen, sieht man an kaum einem anderen Ort in der Stadt so viele entspannte Gesichter. Dass man sich in Planten un Blomen oder dem Stadtpark so wohlfühlt hat man der sorgfältigen Planung cleverer Architekten zu verdanken. Was die Parks heute sind, ist das Ergebnis eines langen Prozesses, der vor über hundert Jahren begann.  

Eine Film-Matinee im Abaton am vergangenen Sonntag zeigte Hamburgs Grünflächen aus ungewohnter Perspektive, in Schwarzweiß, manchmal mit Rotstich, aus der Sicht von Menschen, die sie vor vielen Jahrzehnten besucht haben. Zu sehen war altes Material aus dem Film- und Fernsehmuseum Hamburg über den Stadtpark und Planten un Blomen, das einerseits wichtige Punkte in der Entwicklung der beiden Parks dokumentierte, andererseits ganz alltägliches Freizeitverhalten widerspiegelte, das von unserem heutigen nicht allzu fremd war.
Umso spannender dann doch kleine feine Unterschiede zu entdecken.

© WIKIPEDIA
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So wunderte man sich als Stadtmensch, der die meiste Zeit sitzend verbringt, über die große Aktivität der gefilmten Personen in , der einen „Tag der Freude“ zeigte, der 1951 im Stadtpark zelebriert wurde. Wendige Radfahrer fuhren enge Schlangenlinien, mit strammen Waden und wehenden Röcken. Auch Fahrradfußball wurde gespielt. Und als ein Mann ein etwa sechsjähriges Mädchen, wohl seine Tochter in die Luft stemmte, hörte man es aus den Sitzreihen mehrmals kichern. „Damals steckte das Fernsehen gerade in den Kinderschuhen. Für die Leute war es ganz normal, sich in ihrer Freizeit mehr zu bewegen“, erklärte Volker Reißmann, der Vorsitzende des Film- und Fernsehmuseums, der den Film kommentierte. Besonders skurill wirkte dabei vor allem die Begeisterung, die die Performance der Laiensportler beim damaligen Publikum auslöste.

Die weiteren Filme drehen sich alle um Planten un Blomen. Sie zeigen die Grünanlage während der Internationalen Gartenschauen in den Jahren 1951 und 1963. 3,50 Mark für die Bratwurst, 5 Mark für einen Parkplatz. Ist die IGA zu teuer? Wo kann man am Besten speisen? Immer wieder sieht man schwebende Gondeln und die IGA-Bahn, die sich wie eine riesige Raupe durchs Gebüsch schlängelt, mal mit Bundespräsident, mal nur mit fröhlichen Kindern. Es machte Spaß, anhand der Filme diese Zeitreise zu unternehmen. Auch wenn sich die Leute früher vielleicht lieber bewegten, andere Kleidung trugen, andere Snacks zu sich nahmen und insgesamt vielleicht öfter nach draußen gingen, sind viele Tätigkeiten in Parks heute wie damals die selben geblieben:
Leute schlendern, freuen sich an der Botanik, schlafen in der Sonne ein, schlecken genüsslich ein Eis, knutschen auf Bänken, füttern die Enten, spielen mit ihren Kindern, vertiefen sich in Bücher und Zeitungen oder malen und fotografieren.

© Preussischer Kulturbesitz

Mit der Matinee wurde zugleich die Fertigstellung des neuen SZENE HAMBURG Geschichte, gefeiert, ein Sonderheft der SZENE HAMBURG zum Thema „Hamburg und sein Grün“. Auf 114 Seiten stellt es Hamburger Parks und Gärten der letzten 300 Jahre vor – von der Barockzeit bis zum Urban Gardening.  Zwischen den Filmen gaben Autoren Einblicke in ihre Artikel, die auf längeren wissenschaftlichen Publikationen basieren und machten neugierig auf das Heft, das voraussichtlich zum Wochenende erscheinen wird.

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