Bissige Federn

Vor dem Hintergrund des Attentats auf „Charlie Hebdo“: Nordpuls sieht den Film „Cartoonists, foot soldiers of democracy“

„Eine Regierung ohne Sinn für Humor ist nicht demokratisch.“ Dieser Satz stammt aus einem Cartoon aus Venezuela. Und genau aus diesem Grund bedarf es gerade in totalitären Systemen unbedingt der Satire. Der Dokumentarfilm „Cartoonists, foot soldiers of democracy“ von Stephanie Valloatto zeigt eindrucksvoll, welch wichtiger politischer Prüfstein und Spiegel etwas scheinbar Harmloses wie eine Zeichnung sein kann. 12 Cartoonisten werden in dem Film porträtiert. Sie stammen aus Frankreich, Tunesien, Russland, Mexiko, den USA, China, Algerien, Burkinafaso, Ivorian, Venezuela, Israel und Palästina. Obwohl sie aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt kommen, eint sie eine berufliche Zielsetzung: Sie sind alle Mitglieder der Vereinigung „Cartooning for Peace“. Sie wollen durch ihre ganz individuelle Bildsprache mitgestalten, aufmerksam machen, Missstände anprangern.

Im Passage-Kino in der Mönckebergstraße haben Nordpuls-Mitglieder die Möglichkeit den Film aus Frankreich, der letztes Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde, zu sehen. Anlass der Veranstaltung, die als eine Kooperation des Filmfestes Hamburg mit der Friedrich Ebert Stiftung im Metropolis Kino stattfindet, ist der schreckliche Anschlag auf die Redaktion der Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

Widerständige Katzen und die Gefahren der Satire 

Der Dokumentarfilm zeigt den beruflichen Alltag der ZeichnerInnen Plantu, Slim, Rayma, Boligán, Zlatkovsky, Kichka, Bukhari, Pi San, Willis From Tunis, Danziger, Zohoré und Glez.
In vielen verschiedenen Sprachen wird vom ganz „normalen“ Alltag der Zeichner erzählt, wie Konflikten mit leitenden Redakteuren und dem Trubel, der an Orten herrscht, wo sich Weltbewegendes abspielt. Aber auch von angedrohter Gewalt und immer wieder Angst, die überwunden wird.

Erstaunlich, wie widerständig eine kleine gezeichnete Katze sein kann. Und witzig, wie der Kopf eines Gewaltherrschers einem Penis gleichen kann. Und schrecklich, dass dessen Zorn bewirken kann, dass ein Cartoonist niemals mehr zeichnen kann.

Ein Bleistift und eine Feder schützt nicht gegen Waffengewalt. Die ermordeten Redakteure von Charlie Hebdo waren kurz vor ihrem Tod völlig wehrlos. Und das, obwohl sie stets so angriffslustig und bissig waren. Gerade deswegen muss Satire alle Freiheiten haben.  
„Was darf Satire?“ wird bei einer anschließenden Diskussion mit Dr. Peter Hurrelbrink, dem Leiter der Friedrich Ebert Stiftung und Moritz Piehler, der als Journalist unter anderem für den Spiegel tätig ist, gefragt.

Es wird kontrovers diskutiert und doch läuft das Gespräch auf einen Konsens hinaus: Man muss nicht gut finden, dass Karikaturisten den Propheten Mohammed zeichnen und dadurch religiöse Gefühle verletzen. Trotzdem muss es erlaubt sein. Unbedingt!